Studien zur Backsteinarchitektur
Eine Studienreihe von Ernst Badstübner
und Dirk Schumann
Die Backsteinarchitektur prägt
entscheidend den Charakter der norddeutschen Kultur- und Kunstlandschaft.
Aber nicht allein im Küstenraum um die Ostsee wurde im Mittelalter
mit Backstein gebaut, sondern auch in Mittel- und Süddeutschland,
in Sachsen, Schlesien und Bayern. Ebenso war der Ziegelbau in den
Niederlanden, in Italien, in Frankreich oder im Rheinland gebräuchlich.
Doch trotz des umfangreichen Bestandes gibt es heute einen Mangel an thematisch
vergleichenden Untersuchungen. Dieser wiegt heute um so schwerer, als sich
vor allem durch Bauarchäologie und Bauforschung eine Vielzahl neuer
Erkenntnisse angesammelt haben.
Es ist ein Anliegen der »Studien
zur Backsteinarchitektur«, die Veröffentlichung aktueller Forschungsergebnisse
zu ermöglichen, die einerseits die Untersuchung am konkreten Material
einzelner Bauten, andererseits die Auseinandersetzung mit der übergreifenden
kunsthistorischen Einordnung zur Voraussetzung haben. Gerade darin besteht
die produktive Möglichkeit einer Forschung, die einer notwendigen
interdisziplinären Herangehensweise Rechnung trägt und Nahsicht
und Weitblick als wichtige Elemente wissenschaftlicher Arbeit miteinander
verbindet.
Band 1
Ernst Badstübner / Dirk
Schumann (Hg.)
Hallenumgangschöre in Brandenburg,
Berlin 2000
Der erste Band der neuen Reihe hat
einen thematischen Schwerpunkt: eine besondere Form gotischer Kirchenbaukunst,
den Hallenumgangschor. Durch die Konzentration auf eine Region des norddeutschen
Binnenlandes, auf die Mark Brandenburg, konnte eine hohe Verdichtung verschiedener,
größtenteils völlig neuer bau- und kunsthistorischer Forschungsergebnisse
geleistet werden.
Band 2
Dirk Schumann
Herrschaft und Architektur -
Otto IV. und der Westgiebel von Chorin, Berlin 1997
Auf der Grundlage historischer Untersuchungen
kann die Architektur des Klosters Chorin mit dem askanischen Markgrafen
Otto IV. in Verbindung gebracht werden. Neue archäologische und bauhistorische
Ergebnisse machen den Entstehungsprozeß vor allen der westlichen
Bereiche von Kirche und Klausur deutlich und zeigen die eindrucksvolle
Westfassade der Klosterkirche in einem neuen Licht. Ursprünglich nicht
in dieser Form geplant, entsteht kurz vor 1300 ein architektonisches Ensemble,
bei dem die anzunehmende Funktion und der Anspruch der Landesherrschaft
in architektonischer Gestalt eine enge Verbindung eingehen und schließlich
ein Bauwerk entsteht, daß weit in den norddeutschen Backsteinraum
hinein wirkte.
Band 3
Ernst Badstübner / Uwe Albrecht
(Hg.)
Backsteinarchitektur in Mitteleuropa.
Neuere Forschungen - Protokollband des Greifswalder Kolloquiums 1998, Berlin
2001
Band 4
Ernst Badstübner / Dirk
Schumann (Hg.)
Backsteintechnologie in Mittelalter
und Neuzeit, Berlin 2003
Dieser Band versammelt Aufsätze
zu unterschiedlichen Aspekten der Backsteinherstellung und Verarbeitung:
So zu Rohstoffvorkommen, Brenntechniken sowie den zugehörigen
Öfen, den Ziegeleien und Ziegelern, zu Ziegelstempeln und
Formsteinen sowie der historischen Anwendung der Backsteine
in frühen Backsteinbauten oder der Wiederentdeckung dieses
Baumaterials durch die preußische Bauverwaltung im 18.
Jahrhundert.
Band 6
Ulrike Gentz
Der Hallenumgangschor
in der städtischen Architektur Mitteleuropas 1350-1500,
Berlin 2003
Band 7
Ernst Badstübner, Gerhard
Eimer, Ernst Gierlich und Matthias Müller (Hg.)
Licht
und Farbe in der mittelalterlichen Backsteinarchitektur des
südlichen Ostseeraums
Die Reihe erscheint im Lukas Verlag für
Kunst- und Geistesgeschichte
Ausstattung
Ein weiterer Bereich sind Untersuchungen
zur Nutzungsgeschichte der Architektur, wie sie beispielsweise über
deren einstige Ausstattung greifbar wird. Dazu gehören Wandmalereien,
Glasmalereien, Altäre, Grabdenkmäler, Gestühle, Retabel
und das umfangreiche Inventar beweglicher Ausstattungsstücke. Auch
solche Objekt bildender Kunst oder des Kunsthandwerks lassen sich unter
einem methodischen Blick untersuchen, den man einen »archäologischen«
nennen könnte, auch wenn der Suche nach einzelnen Zeit- und Bedeutungsschichten
eines Objektes kein körperlicher Eingriff zu Grunde liegen muß.
Veranschaulichen
läßt sich eine solche Herangehensweise beispielsweise in der
Untersuchung von Teilen des Chorgestühls des Zisterzienserklosters
Zinna bei Jüterbog (Abb.). Eine dendrochronologische Untersuchung
(ohne Eingriff in die Substanz) förderte Erstaunliches zu Tage. Einem
Chorgestühl des 14. Jh. wurden in der Zeit um oder kurz nach 1500
weitere Gestühlteile zugefügt, allerdings jetzt als detaillierte
Stilkopien der schon vorhandenen Teile. Den Nutzern des Chorgestühls
war dessen einheitliche und konventionelle Erscheinung so wichtig, daß
in einer historistischen Arbeitsweise alle modernen und innovativen Stilmomente
spätgotischer Kunst ausgeblendet wurden.
Gisbert Porstmann/ Dirk Schumann:
Überlegungen zum Chorgestühl der Zisterzienserklosterkirche Zinna,
in: Oliver H. Schmidt/ Dirk Schumann, (Hg.), Zisterzienser in Brandenburg,
Berlin 1996
Ein anderer Untersuchungsbereich
sind ehemalige Ausstattungsstücke, die direkt in archäologischen
Grabungen geborgen wurden. Das Beispiel eines reichen Inventars eines heute
nicht mehr existierenden Zisterzienserinnenklosters lieferten die Grabungen
in Seehausen (Uckermark). Zahlreiche Fundobjekte aus Ton, Eisen, Messing,
Blei, Zinn, Edelmetall, Knochen, Holz und Glas geben einen einzigartigen
Querschnitt durch Gerätschaften des täglichen Bedarfs und des
religiösen Brauchtums, darunter ein einzigartiges Holzmodel (vgl.
Abb.). Dieses reichhaltige Material ergänzt und verdichtet das Bild
über ein verschwundenes Kloster, dessen architektonische Gestalt heute
nur noch aus Fundamenten und den vielen Formsteinen rekonstruierbar ist.
Mittelalterliche Objekte im Dominikanerkloster,
Kulturhistorisches Museum Prenzlau (Ausstellungskatalog), Prenzlau 1999,
Konzept und Redaktion zusammen mit Annegret Lindow
Dirk Schumann, Skulpturale Funde
aus dem Zisterzienser-Nonnnenkloster Seehausen, in: Lothar Lambacher/ Frank
Matthias Kammel (Hg.) Die mittelalterliche Plastik der Mark Brandenburg,
Berlin 1990
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