Frankfurt/Oder, Bischofstraße
16, Kellerschnitt mit steingerechter Darstellung der Südwand und dazugehörigen
archäologischen Profilen
Die beiden Disziplinen Archäologie
und historische Bauforschung haben einen langen forschungsgeschichtlichen
Weg zurückgelegt und wurden schließlich zwei selbständige,
selbstbewußte Disziplinen. Doch die historisch gewachsene Trennung
beider Disziplinen muß zu Erkenntnisdefiziten in ihren Grenzbereichen
führen. So legten Stadtkerngrabungen zuletzt im Osten Deutschlands
großflächig Bau- und Gebäudestrukturen frei, bei denen
die Archäologen vor Ort jedoch nicht selten auf Grund fehlender Erfahrungen
mit diesem Material überfordert waren. Dabei sind die Baubefunde im
Boden eine wichtige Informationsquelle für siedlungs- und baugeschichtliche
Entwicklungen im Stadtraum. In vielen Fällen bietet sich hier sogar
die Möglichkeit, mittels archäologischer »Zerlegung«
genaue Kenntnisse über Bauverläufe und -techniken zu erlangen.
Anschlußprofile und Zusammenhänge mit anderen Befunden ergeben
einen archäologischen Kontext für jedes einzelne Bauwerk. So
besteht im Grenzbereich von »Bau« und »Boden«
nicht die Wahl zwischen getrennten Disziplinen, sondern zwischen verschiedenen
Forschungsmethoden, die einen optimalen Erkenntnisgewinn aus der Zerstörung
oder der Veränderung historischer Substanz ermöglichen.
Methoden bauarchäologischer
Materialaufnahme, in: Baubefunde auf archäologischen Grabungen, (Arbeitsberichte
zur Bodendenkmalpflege in Brandenburg 1), Potsdam 1998
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